Der Weg zum meinem
Refraktor
An einen Refraktor kam man am
Ende der 70er Jahre leichter als an ein Spiegelteleskop. Die Auswahl war
längst nicht so groß wie heute. Prospekte von Kosmos, Wachter,
Unitron, Rupp, u.a. waren in dieser Zeit meine Bettlektüre. Mit offenen
Fragen um Öffnung, Spiegel oder Linse und Qualität habe ich dann
mit leichten Bauchschmerzen (Risiko) zu einer für mich damals horrenden
Summe von fast 2.000,- DM die 150er Linse und die Umlenkspiegel bestellt.
Nach zweijährigem Bau, Reklamationsfristen waren längst verstrichen,
dann die erste Beobachtung. Beeindruckend! Aber stimmte die Qualität?
Was muss man sehen mit so einem Teleskop? Beugungsscheibchen - was ist
das? Wäre ein C8 (Öffnung) doch besser gewesen?
Vor einigen Jahre habe ich dann Spiegel und Linse vermessen lassen. Die Spiegel sind in Ordnung, das Objektiv hatte leichte sphärische Aberration. Es hatte keine Zeiss-Qualität, war aber besser als so manches angepriesene Markengerät und ich habe damit schon sehr viele schöne Beobachtungen gemacht.
2004 bekam ich die Gelegenheit zum Erwerb eines FH-Objektivs 150/2300 von Lichtknecker. Die Prüfung bei W. Rohr brachte ein gutes Ergebnis und so habe ich das Teleskop wieder mal verändert und diese Linse einzubauen.
Diskussionen um Öffnung sind für mich heute nicht mehr wichtig! Wichtig ist, dass einem das Teleskop gefällt. Die Leistung steigt mit der Erfahrung und jedes Gerät hat seinen Himmel.
Das langbrennweitige Linsenteleskop ist aus meiner Sicht immer noch das Beste was es gibt und trotz Hochtechnologie ist die Leistung von Herrn Fraunhofer nicht zu unterschätzen.
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Im Folgenden einige Details zu dem Teleskop:
Der Strahlengang im Tubus des Refraktors.
Er wird im Schaer-Refraktor über 2 Planspiegel umgelenkt. Bei meinem Gerät haben sie Durchmesser von 110 mm und 60 mm. Dadurch verkürzt sich das Teleskop von ca. 2,8 m auf ca. 1,2 m.
Die Positionierung der Blenden ist nicht so einfach wie bei einem gestreckten Tubus; mit der heutigen CAD-Technik dennoch gut machbar. In dem türkisfarbenen Teil des Strahlengangs ist die Lage der Hauptblende durch die grüne Ellipse gekenntzeichnet.
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Der Tubus besteht aus einzeln 3mm dicken Aluminiumblechen (LKW-Planken vom Schrottplatz)und Winkelprofilen (Bastelprofile aus dem Baumarkt), die miteinander verklebt und verschraubt sind. Er hat die Abmessungen 210 x 300 x 720 mm. Die Seitenteile wurden mit einer elektrischen Stichsäge ausgeschnitten; die Schnittkanten mit eine Feile nachgearbeitet. Dadurch ist der Tubus nicht ganz exakt winklig. Durch die Justiermöglichkeiten der einzelnen optischen Elemente stellt die Ungenauigkeit aber kein Problem dar. Um Reflexionen zu vermeiden, ist der Tubus mit schwarzem Bastelkarton ausgelegt. Zum Reinigen der Spiegel wird eine Seitenwand komplett abgeschraubt.
Das linke Bild zeigt die Innenansicht des Tubus. Man sieht den kleinen Umlenkspiegel über dem Objektiv. Zwischen Objektiv und Spiegel befindet sich die Hauptblende aus Sperrholz. (rechtes Bild) Das Brettchen mit dem ellipsenförmigen Ausschnitt, wie er durch die oben gezeigte Zeichnung vorgegeben ist, liegt auf einem Sperrholzrahmen, auf dem der Blendenteil verschiebbar ist. Der Einbauort konnte so sehr einfach festgelegt und die Blende befestigt werden. Links im Bild ist ein Teil des Blendenrohres in Verlängerung des Okularauszugs zu sehen, in dem sich 2 Pappscheiben als Blenden befinden.
Der Okularauszug ist 180 mm lang und ermöglich die Beobachtung ohne Zenitprisma. Er ist, wie das Objektiv, mit je 3 Druck- und Zugschrauben, wie sie im äußeren Rand erkennbar sind, justierbar. Die beide Spiegel sind in einen "Topf" eingesetzt und werden mit je 3 Klammern gehalten. Die Töpfe wiederum werden von einer mittleren Schraube in ihrer Position gehalten. Eine Druckfeder zieht die Spiegelhalterung gegen 3 Justierschrauben.
Die Taukappe besteht aus einem Blechzylinder mit 190 mm Durchmesser und ist mit vier aufgeklebten Aluminiumwinkeln an dem Tubus verschraubt.
Bei dem Objektiv handelt es sich um ein FH 150/2300 mm der belgischen Firma Lichtenknecker.
Die technischen Daten: Auflösungsvermögen: 0,8 Bogensec., Grenzgröße bei 6m: +12,8m. Mit einem 60mm-Okular der Fa. Baader erreiche ich bei 38facher Vergrößerungen ein scheinbares Gesichtsfeld von 1,05°. Die max. Vergrößerung erreichte ich bei dem Einsatz vom 7,5mm-Okularen mit 307fach.
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Die
Montierung
Die Montierung ist sie ebenfalls selbstgebaut. Sie hat 50 mm Stahlachsen und Kegelrollenlager. Die unteren Bilder zeigen Einzelheiten. Die Teilkreise haben auf jeder Seite einen beleuchteten Nonius und sind auf eine Bogenminute genau ablesbar. -----------------------------------------------------
Schnittzeichnung der Montierung.
Download
der Zeichnung als PDF-Datei [47kB]
Einzelteilzeichnungen auf Anfrage
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Die Stromführung zur Beleuchtung des Deklinationsteilkreises erfolgt über einen Schleifring. Der Frequenzwandler zur Steuerung des Nachführmotors ist in der Säule eingebaut. Im rechten Bild ist das „Schaltpult" mit den Schaltern für Motor und Beleuchtung erkennbar. Rechts und links der Schalter sind die Klinkenbuchse für das beleuchtete Fadenkreuzokular und der Helligkeitsregler für die Teilkreisbeleuchtung. Das Steuergerät beinhaltet die Regler für die Helligkeit der Fadenkreuzbeleuchtung und die Nachführgeschwindigkeit.
Die Säule steht auf zwei IPB-Trägern, die einerseits in die Wand eingelassen sind, andererseits auf einem Betonsturz aufliegen. Die Schwingungen der 2,5 m hohen Säule sind durch eine Fachwerkkonstruktion an der
Säule und einer Sandfüllung sehr gut gedämpft. Schwingungen sind fast nur bei vorbeifahrenden LKW´s (Entfernung von der Kreisstraße ca. 30m) zu spüren. An der Säule befindet sich eine Okularablage. Die Plaxiglasplatte verhindert das Beschlagen der Okulare.

Die Schwenkvorrichtung für den kleinen Refraktor
Die Halterung ist auf einer
Grundplatte aus Aluminium auf dem rechteckigem Tubus des 150er Refraktor
montiert. Die Feinbewegungen in beiden Achsen lassen eine präzise
Justierung des Leitfernrohres zu. Die Klemmung erfolgt über ein Klemmrad
mit Feingewinde. Die grüne Druckfeder drückt die Grundplatte
der Schwalbenschwanzhalterung gegen die Höhenstellschraube auf der
rechten Seite. Die seitliche Feineinstellung drückt auch gegen eine
Druckfeder auf der gegenüberliegenden Seite. Die Schwalbenschwanzführung
für das kleine Teleskop besteht wie bei der Reisemontierung auch,
aus einer Grundplatte (180 x 40 x 10 mm) und seitlichen, um die Längsachse
gebogene Alu-Bleche. Diese werden mit zwei Flügelschrauben geklemmt.
Der große Vorteil dieser Verstellung liegt m. E. darin, daß das Leitfernrohr bei der
Fotografie auf einen hellen Stern auch außerhalb des Gesichtsfeldes
eingestellt werden kann.
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Justieren der
Optik
Die
Justierung eines Schaer-Refraktor ist m. E. einfacher als die eines Newton-Spiegelteleskops.
Zunächst habe ich die Spiegel mit Mittenmarkierungen versehen (s.o.).
Das ist für manch einen ein Frevel, hat aber den Vorteil, das die
Justage immer einfach kontrollierbar ist. Das wiederum ist wichtig, weil
bei schlechtem Seeing oder verkantetem Okular oft Zweifel an der korrekten
Justage aufkommen. In den Okularauszug steckt man eine Hülse mit einer
kleinen Bohrung, (Früher habe ich dafür eine aufgeschnittene
Filmdose mit Bohrung im Deckel genutzt, heute das Justiergerät). Zunächst
werden die Spiegel ausgerichtet, indem die Markierungen zur Deckung gebracht
werden. Hierbei ist das Objektiv offen. Der Okuarauszug wird dann auf die
Markierung des kleinen Spiegels ausgerichtet. Die Feinjustierung erfolgt
mit dem unten beschrieben Justiergerät und mit dem abgedeckten Objektiv.
Die linken Abbildungen zeigt das Justiergerät in die Ansichten von
oben (rechts) und unten. Die Batterie hing ursprünglich nur mit einem
Batterieclip an den dünnen Kabel. Nach wenigen Prüfungen waren
die Kabel bereits gebrochen. Ich habe dann ein Batteriefach auf einer Kunststoffplatte
befestigt, mit dem Basisteil des Prüfgerätes verklebt und so
die Belastung vom Kabel genommen.
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Nun
zur Funktion selbst:
Die Zentriereinrichtung (von Wolfgang Grzybowski) wird in den Okularauszug
(1¼") eingesetzt. Die in dem Basisteil befindlichen vier roten Leuchtdioden
sind symmetrisch angeordnet und zeigen beim Blick durch die mittlere Bohrung
Reflexe auf den Objektivoberflächen. Sie markieren die Eckpunkte von
Quadraten unterschiedlicher Größe. Das Teleskop ist korrekt
justiert, wenn die Quadrate symmetrisch angeordnet sind. Die linke Abbildung
der beiden rechten Bilder entstand an meinem 150er Refraktor. Das kleine
innere Quadrat ist außerhalb der Symmetrieachsen. Eine Korrektur
der Justage ist erforderlich. Bei dem Öffungsverhältnis von 1:15
macht sich der Fehler allerdings beim Beobachten kaum bemerkbar. Die Rechte
der beiden Abbildungen zeigt das Reflexbild am kleinen 100er Refraktor.
Die Justierung ist ausreichend genau. Kleine Justageabweichungen, wie im
linken Bild führen bei dem kurzbrennweitigen Refraktor schon zu Koma. [mehr..]
Die Feinjustierung des gesamten Systems kann auch mit dem Chesire (Bild rechts)
durchgeführt werden. Über den Spiegel wird Tageslicht in den
Tubus reflektiert. Auf den Linsenoberflächen sind dadurch, bedingt
durch die Mittenbohrung, helle Ringe zu sehen, die durch das Justieren
zur Deckung gebracht werden müssen. Bei einem schlecht justierten
Objektiv sind die Ringe seitlich nebeneinander aufgereiht.
Die erste grobe Prüfung:
Als ich vor 20 Jahren meinen Refraktor justiert haben, gab es noch keines der
oben beschriebenen Justiergeräte wie wir sie heute kennen. Da wurde die Justierung folgendermassen durchgeführt: Ich habe bei einem alten
Taschenspiegel in die Mitte ein Loch von ca. 6-8 mm Durchmesser freigekratzt,
der dann so gut es ging unter einem Winkel von ca. 45 grd. mittig hinter
den Okularauszug gehalten wurde. Schaut man nun durch die Spiegelmitte in den Tubus sieht man mehrere
Reflexe auf den Objektivoberflächen, die deckungsgleich sein müssen;
dann stimmt die Justierung in etwa. Wir erkennen das Prinzip des Chesire,
nur eben einfacher. Für den ersten Eindruck ist das sicherlich ausreichend.
Wenn das Teleskop dejustiert ist und eine Justage des Objektives nötig
ist, kann man immer noch in eins der oben genannten Geräte investieren.
Am einfachsten ist die Justierung mit der Vier-Dioden-Zentriereinrichtung
nach Wolfgang Grzybowski.
In
dem Buch "Refraktor-Selbstbau" von G. Roth wird folgendes Verfahren beschrieben:
Das Objektiv wird mit einem Deckel abgedeckt. Dann halten wir eine brennende
Taschenlampenbirne in die Mitte der Okularsteckhülse. Schauen wir
an der Birne dicht vorbei, so sehen wir auf dem abgedunkeltem Objektiv
3 Reflexe. Lassen wir nun das Auge dicht um das kleine Glühbirnchen
kreisen, so müssen die Reflexe -soll das Objektiv richtig justiert
sein- ständig und im gleichmäßigen Abstand zum Glühbirnenmittelpunkt
weisen. Eine allseitige Deckung der Reflexe, die auf der optischen Achse
zu bemerken wäre, können wir nicht erkennen, da wir ja nicht
durch die Taschenlampenbirne hindurchblicken können.
Mit diesen Methoden wird lediglich der (exakte) rechtwinklige Sitz des Objektivs
zur Mittenachse des Teleskops geprüft und korrigiert. Nicht erkennbar
sind Justierfehler der einzelnen Linsen zueinander. |
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