Seit Juni 2007 haben wir für die Brauchwasserbereitung einen Vakuumröhrenkollektor im Betrieb.
Die Anlage besteht aus dem Kollektorfeld, Pumpenstation, Regelung und vormontierten Rohrleitungen mit integrieten Kabel für den Temperaturfühler. Der vorhandene Speicher wird weiter genutzt, der Kollektor arbeitet im Parallelbetrieb zum Kessel. Die Kesselsteuerung lässt es zu, die Brauchwasserbereitung wahlweise abzuschalten.
Die technischen Daten:
- Kollektorgröße: Aperturfl. 4m², 20 Röhren
- Dachneigung 42°
- Südausrichtung
- Boilergröße: 200 ltr., liegend
- Temperaturmessung: Anlegefühler unten am Speicher
- Standort der Anlage: Delbrück
- Kosten der Anlage: 3.300 EUR (incl. der Zuschüsse des Bundes, Selbstmontage des Kollektors, Verrohrung, Pumpe und Regelung)
- Zu unserem Haushalt gehören 4 Personen
- Tägliche Warmwasserbedarf: ca. 80 Ltr.
Nachdem wir die Anlage nun ein Jahr lang beobachtet haben, können wir die Einsparungen besser einschätzen. Sie beläuft sich auf ca. 235 Ltr. Öl (260m³ Erdgas), entsprechend ca. 11%, pro Jahr (Berechnung)
Das Kollektorfeld auf dem Dach,
die Rohrleitungen verlaufen
im Dachrinnenfallrohr (rechts) |
Die Pumpe und Regelung
|
Der Kessel mit Speicher, links im Bild die Komponenten der Solaranlage
|
Bei dem Kollektor handelt es sich um den CPC 20 w INOX. Die Herstellung und Konzeption der Anlage liegt in den Händen der Fa. Paradigma. Die technischen Daten sind unter dem Stichwort "Produkte" auf der Webseite der Fa. Rittersolar dargestellt.
Die Messdaten unserer Anlage
Die guten Erfahrungen mit der Brauchwasserbereitung hegen den Wunsch, die Anlage zur Heizungsunterstützung zu erweitern. Berechnungen zur Wirtschaftlichkeit siehe hier
Weitere Daten (Pumpenlaufzeiten, solarer Tagesgewinn, Wasserverbrauch) auf Anfrage
Weitere Wetterdaten von einer ca. 5 km weit entfernten Station in Delbrück-Bentfeld
Die Außentemperaturen im ca. 15 km entfernten Paderborn
Die Niederschlagsmengen in Delbrück
Kommentar:
Anfangs hatten wir Zweifel an den Einschätzungen des Anbieters, dass wir im Sommer fast ohne Heizung auskommen würden. Der Sommer 2007 war ziemlich regnerisch, trotzdem wurden unsere Erwartungen an die Anlage erfüllt. Wichtig ist vor allem, das der Kessel komplett augeschaltet werden kann, den gerade die Bereitschaftsverluste des Kessels sind nicht zu unterschätzen.
Anfangs hatten wir bedenken wegen des nur 200 ltr. großen (liegenden) Boilers. Jetzt halten wir ihn fast für etwas zu groß. Bei den vielfach geringen Einstrahlungen im Sommer 2007 wären 180 ltr. vielleicht besser gewesen, weil die zu einer etwas höheren Wassertemperatur geführt hätte. Im Kollektor war die Maximaltemperatur fast nie unter 60 °C.
Die Idee, die Solaranlage zur Heizungsunterstützung zu erweitern, ist vom Tisch. Der Ertrag ist so minimal (s. Berechnung) das es sich selbst ökologisch nicht lohnt.
Diskussion:
Ein Besucher schreibt:
Ist Ihr Gedanke richtig, dass das Speichervolumen an einigen Tagen zu groß war? Wäre mit einem größeren Speicher der nächste Tag nicht noch überbrückt worden?
Meine Antwort:
Das trifft sicherlich für einzelne Tage zu. Mit einem kleineren Speicher aber hätten wir die Nachheizungen des Wassers bis Anfang Sept. 2007 wahrscheinlich komplett vermieden (und das bei dem schlechten Sommer). An den wenigen Nachheiztagen im Septemper 2007 wären mit einem größerem Speicher vermutlich einzelne Tage mehr überbrückt worden. Um in einem größeren Speicher höhere Wassertemperaturen zu erreichen, wäre aber auch ein größerer Kollektor nötig und damit wiederum unverhältnismäßig höhere Investitionen! Wenn in den Sommermonaten an einzelnen Tagen nachgeheizt werden muss, braucht der Kessel ca. 15 Min. um überhaupt erst die Betriebstemperatur zu erreichen. Dafür wird erheblich mehr Öl verbraucht, wie für die Erwärmung des Wassers selbst. Um 80 ltr. um 50 °C zu erwärmen, benötigt man ca. 0,5 Ltr. Öl. Um den Kessel auf Betriebstemperatur zu bringen, sind nochmal ca. 0,5 Ltr. Öl erforderlich. Der Wert einer Brauchwasser-Solaranlage liegt damit unter anderem auch in der Vermeidung der Bereitschaftsverluste.
Interessante Links zum Thema:
*Hinweis: Der Solaratlas ist nach meinen Erfahrung nur bedingt zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit einer Solarthermieanlage zu gebrauchen. Eine Solarthermieanlage benötigt eine gewisse Anlaufzeit, weil der Kollektor erst warm werden muss, bevor er Wärme liefert.
seit 20.10.07

|