Das Beobachtungsbuch
oder meine Lesebuch für schlechtes Wetter
Die astronomischen Beobachtungen,
die ich an meiner Sternwarte und bei Exkursionen mit Freunden mache, protokolliere
ich alle in einem Buch. Ich verwende dafür zum einen ein konventionelles
Kassenbuch und zum anderen ein Ringbuch mit einzelnen Blättern (s.
Abb.). Eingetragen werden Ort, Datum mit Anfangs- und Endzeit
der Beobachtung in UTC (koordinierte Weltzeit). Wenn es wichtig ist,
trage ich auch zwischendurch noch Zeiten ein, wie z.B. bei der Sichtung
eines Boliden. Des weiteren gehört das Instrumentarium und die Sichtbedingung
zu den nötigen Angaben. Beim Instrumentarium trage ich die Bauart
des Teleskops ( Refraktor, Newton), Öffnung, Brennweite, Okulartyp
und Okularbrennweite, und die Nutzung des Binokularansatzes
ein. Wichtig ist auch, ob ein Filter verwendet wurde. Die Sichtbedingungen
(Seeing, Szintillation) beeinflußt erheblich die Beobachtung. Im
Protokoll werden die atmosphärischen Sichtverhältnisse mit den
Faktoren U für Luftunruhe (Funkeln) und D für
Durchsicht (Trübung
der Atmosphäre) mit einer Skala von 1-5 bewertet. 1 bedeutet sehr
gute Bedingungen, 5 schlechte, kaum brauchbare Bedingungen. In besonderen
Fällen, z. B. bei schwierig zu beobachtenden Objekten gebe ich auch
die Grenzgröße der Sterne in der Umgebung des Beobachtungsobjektes an. Beim Vergleich einzelner Beobachtungen sind diese Faktoren unbedingt
zu berücksichtigen. Bleibt noch der Raum für die Beschreibung
des
Objektes. Nun wird es ebenso spannend wie schwierig. Auch wenn man das
Objekt schon einige Male beobachtet hat, erscheint es jetzt plötzlich
in einem völlig neuen Licht. Das Gesehene zu beschreiben, erfordert
eine höhere Konzentration und zwingt den Beobachter zu genauerer und
bewußterer Betrachtung. Es ist sinnvoll, die Beschreibung an bekannten
Formen und Gegenständen anzulehnen. Begriffe wie rundlich, nierenförmig,
länglich, dreieckig, blütenähnlich, linien- oder ringförmig
nutzte ich häufig. Die Helligkeit innerhalb des Objektes ist ein weiteres,
wichtiges Kriterium bei der Beschreibung. Ist die Helligkeit gleichmäßig
über die gesamte Fläche, nimmt sie zum Zentrum oder Rand leicht,
kräftig oder gleichmäßig zu oder ab? Ist der Rand linienförmig
oder ausgefranst? Ist die Ausfransung gleichmäßig zackenförmig
oder ungleichmäßig ohne ersichtliche Struktur? Wie sieht das
Umfeld aus? Steht der Nebel in einem quadratischen oder rechteckigen Viereck
von gleichmäßig oder ungleichmäßig hellen Sternen?
Oder ist die Anordnung der Sterne bogen- oder S-förmig, in mehreren
Reihen mit gleichmäßigen oder unterschiedlicher Abständen?
Wieviel Sterne sind in dem beschriebenen Umfeld zu erkennen? Wieviel auffällig
helle Sterne sind darunter? Helligkeitsschätzungen beispielsweise
bei Kometen sind wichtig. Die Angaben bekomme ich durch Vergleichen mit
anderen bekannten Deep-Sky-Objekten.
Bei der Beschreibung von
Planeten- und Mondoberflächen gibt es neben diesen Vorschlägen
eigene Begriffe, die in der Literatur* veröffentlicht sind. Beim Jupiter
werden die Objekte innerhalb der Wolkenbänder mit, Flecken, Oval,
Bucht, Kerbe, Riff, Girlande, Schleier u. a. beschrieben, bei der Venus
sind es Bänder, dunkle Striche, amorphe Flecken.
Zum Zeichnen verwende ich
die Vordrucke der VDS-Fachgruppe, verkleinert auf DIN A5. Damit paßt
auch dies Protokollblatt in meinen Ordner. Dem gegenüber bleibt es
jedem Beobachter selbst überlassen, eigene Begriffe zu wählen.
Wichtig ist, daß man selbst später die Objekte nach den eigenen
Beschreibungen vor Augen hat.
Ein Artikel hierüber
ist in Magellan 3/2002 erschienen.
----------------------------------------------------- In diese Protokollbögen
trage ich einzelne Beobachtungen
ein. Skizzen und Zeichnungen von Deep-Sky-Objekten, Sonnenflecken, Kometen,
Umgebungskarten von Planeten, Mondformationen u. a. ergänzen die Beschreibung.
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Die Beobachtung der ISS mit einem Amateurteleskop
Mehrfach im Jahr zieht die Internationale
Raumstation ISS abends oder morgens über den nächtlichen Himmel. Dabei benötigt sie bis
zu 4 Minuten und ist in dieser Zeit eines der hellsten Objekte am Firmament. Sie lässt sich
dann auch mit Amateurteleskopen beobachten. Es ist allerdings nicht ganz einfach und erfordert
viel Übung. Die Schwierigkeit besteht zunächst darin, sie mit dem Peilsucher
anzupeilen und dann mit dem Teleskop selbst der Raumstation zu folgen, weil gleichzeitig über
2 Achsen nachgeführt werden muss.
Zur Beobachtung selbst: zunächst wird das Teleskop ausbalanciert, um es leicht in beiden Achsen
bewegen zu können. Das Okular sollte bei den ersten
Beobachtungen ein möglichst großes Gesichtsfeld haben, weil
man damit den größtmöglichen Himmelsausschnitt überblickt. Dann peilt man die Raumstation
mit dem Peilsucher (auf meinem Teleskop u. a. ein 8x50
Sucher) so an, dass sie am Gesichtsfeldrand zu sehen ist und auf den Schnittpunkt des
Fadenkreuzes "zu fliegt". Wenn sie dann das Fadenkreuz erreicht hat, ist sie auch im
Gesichtsfeld des Teleskops zu sehen. Der Wechsel vom Peilsucher zum Okular des Teleskops
darf dabei, je nach Wahl des Okulares und der Vergrößerung, aber nur ca. 2 sec. dauern
und die Nachführung des Teleskops von Hand muß sofort klappen.
Ebenso kann man mit einem Telrad oder anderen Peilern verfahren. Die Mittenmarkierung muss
entsprechend weiter "vorne" auf die scheinbare Flugbahn eingestellt werden.
Es ist mir so einige Male gelungen, die Raumstation für einige Minuten zu verfolgen. Sie sieht
bei 90facher Vergrößerung aus wie ein kleiner, fliegender Käfer, der Rumpf ist hellstrahlend
und leicht oval, die großen, seitlich angebrachten Sonnenkollektoren setzen sich in bräunlicher
Färbung vom Rumpf ab.
Die Beobachtung ist bei einem zenitnahen Überflug natürlich interessanter, weil sie dann
mit ca. 380 km die kleinste Entfernung hat.
Ein gute Übung ist die Beobachtung hochfliegender Passagierflugzeuge. Sie haben etwa die
gleiche Geschwindigkeit wie die Raumstation und müssen auch über beide Montierungsachsen
gleichzeitig nachgeführt werden. Man bekommt ein gutes Gefühl für die zeitlichen Abfolgen
bei der Beobachtung. Erleichternd bei dieser Übung ist, dass man das Flugzeug am
Kondensstreifen "verfolgen" kann.
Die Überflugdaten der ISS findet man auf dieser Web-Site
Im folgenden Abschnitt,
Configuration
Current observing site: Unspecified, 0.0000°N, 0.0000°E
select from map or from database or edit manually
sucht man zunächst seinen Wohn-/Beobachtungsort.
Die nun aufgerufene Seite speichert man für spätere Anwendungen als Lesezeichen ab.
Die nötigen Daten findet man in folgendem Absatz:
Satellites
10 day predictions for: ISS | Genesis-1 / 2 | Envisat | HST
Einen Hinweis zur Helligkeitsangabe in der Tabelle: In der zweiten Spalte "Mag" wird die Helligkeit angegeben. Je kleiner die Zahl ist, um so heller ist die Raumstation; -3,4 kennzeichnet eine bessere Sichtbarkeit als 0,8.
Am einfachsten ist es, wenn man zunächst zenitnahe Passagen beobachtet.
Die ISS ist dann sehr hell, und nicht zu übersehen.
Einen kleinen Videofilm vom Mondtransit der ISS gibt es in der Rubrik Beobachtungen
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So zähle ich die Sonnenflecken
Als Teilnehmer des Sonnenbeobachtungsprogramm
Intersol der Volkssternwarte Paderborn beobachte ich so oft es geht die
Sonne, um die Flecken zu zählen.
Gerade dann, wenn sehr viele
Flecken auf der Sonne sind, ist die Zählung m. E. nicht ganz einfach.
Weil in den Gruppen zwischen den Flecken mit und ohne Penumbra unterschieden
werden muß, kam ich oft durcheinander, wenn ich zunächst die
einen, dann die anderen gezählt hatte. Insbesondere bei kleinen Flecken,
bei denen die Unterscheidung schwierig ist, wußte ich bei wechselndem
Seeing (Sichtbedingungen) nicht, ob ich den einen oder anderen Fleck schon
erfasst hatte.
Ich nutzte nun die Notiz-Funktion
meines Sharp-Organizers als Zähler.
Ich beobachte die Fleckengruppe
und gebe bei einem Fleck mit Penumbra ein A, bei einem Fleck ohne Penumbra
ein L ein. Für die übrigen Objekte wähle ich andere, auf
der Tastatur gut unterscheidbare Buchstaben. Durch den Tastenton kontrolliere ich die Eingabe der einzelnen Buchstaben und vermeide Doppelzählungen.
Ich kann so ständig die Flecken der Gruppe im Auge behalten und muß
die Beobachtung nicht unterbrechen.
Die Buchstaben zähle ich anschließend aus und erhalte so mein Ergebnis.
Zählen mit dem Palm
Seitdem der Sharp-Organizer defekt ist, nutze ich einen Palm-Zire als Zähler. (kl. Bild rechts)
Ich wähle den Merkzettel-Modus und das Ziffern-Eingabefeld. Darüber lege ich eine Schablone, mit der ich nur bestimmte Zeichen eingeben kann. Bei der Eingabe für Gruppe (gr) erscheint eine 0 im Display, für Gruppenflecken mit Penumbra (grfp) das @-Zeichen, für Gruppenflecken ohen Penumbra (grf) das %-Zeichen, für Einzelflecken mit Penumbra (efp) die 4 und für Einzelflecken ohne Penumbra (ef) die 6. Auch hier kann ich anschließend in aller Ruhe die Relativzahlen ermitteln. Details zum Beobachtungsprogramm hier
Counting the sun
spots
As a member of the sun spot
observation programme Inter-Sol of the Public Observatory of Paderborn,
I observe the sun as often as possible to count the spots. When there are
many spots, counting is a very difficult task. Since one has to distinguish
between spots with and without penumbra, I often got confused when I counted
first the one kind and then the other. Especially for small spots, which
are difficult to classify, and with varying observing conditions, I could
never be sure whether or not I had already counted a particular spot.
In such a situation I use my organizer as a counter.
When I observe a group of sunspots I enter an A into the organizer for a spot with penumbra and an L for a spot without penumbra.
For other objects, I choose different letters, which should be easily distinguishable on the keyboard. Through the beep of the keys I control the counting, thus avoiding double
counting. This way, I am able to observe continuously the group of spots,
and I don´t have to interrupt the observation.
Finally, I count the different letters to receive my result.
Details of the observation programme are available here

Justieren der
Teilkreise/Tagbeobachtung von Planeten
Die Einstellung der Teilkreise
an einer parallaktischen Montierung
wird in der Literatur unter Einbeziehung der Sternzeit
beschrieben.
Um mit den Teilkreisen Gestirne
zu finden, muß man aber nicht unbedingt die Sternzeit kennen. Ich
justiere sie so:
Zunächst muß die parallaktische Montierung auf den Himmelspol ausgerichtet werden. Dann
stelle ich das Fernrohr auf einen helleren Stern, der leicht mit dem Sucher
zu finden ist, ein. Im nächsten Schritt werden die Teilkreise auf
die Koordinaten dieses Gestirns eingestellt. Mit den so eingestellten Teilkreisen,
schwenke ich das Teleskop auf die Koordinaten des gesuchten Objektes.
So finde ich auch die Planeten am Taghimmel. Ich stelle zunächst die Sonne (mit Sonnenfilter) ein, interpoliere die Koordinaten der Sonne aus dem Jahrbuch, stelle dann die Teilkreise entsprechend ein und schwenke auf die interpolierten Koordinaten des Planeten. Wichtig ist noch, das an der Sonne bereit fokussiert wird,
weil der Planet im defokussiertem Teleskop viel schwächer ist. Darüber hinaus setzte ich eine Fokusier-Lehre ein.
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